Radiale Seitenbandverletzung
des Daumengelenkes
Entstehung, Symptome und Behandlung der Seitenbandinstabilität und -verletzung
Die Stabilität des Daumens ist für nahezu jede Greif- und Haltefunktion der Hand essenziell. Besonders das Daumengrundgelenk (MCP 1), ist biomechanisch stark beansprucht. Die seitlichen Stabilisatoren dieses Gelenkes sind das ulnare und das radiale Seitenband. Während Verletzungen des ulnaren Seitenbandes – umgangssprachlich als Skidaumen bezeichnet ) – in der klinischen Praxis häufig auftreten, wird die Verletzung des radialen Seitenbandes oft unterschätzt oder zunächst fehlinterpretiert. Für betroffene Patientinnen und Patienten kann dies weitreichende Folgen haben, da eine instabile radiale Seite insbesondere die präzise Greiffunktion beeinträchtigt, wenn auch nicht so eklatant wie die Verletzungen des unlnaren Seitenbandes.
Dieser Beitrag erläutert, wie eine radiale Seitenbandinstabilität entsteht, welche Symptome typisch sind, wann eine Operation sinnvoll ist und weshalb eine präzise Diagnose entscheidend für die Langzeitprognose ist.
Anatomische Grundlagen: Funktionsrelevanz des radialen Seitenbandes
Das radiale Seitenband, auch als radiales Kollateralband bezeichnet, stabilisiert die äußere der Speich zugewandten Seite des Daumengrundgelenks. Es verhindert das unkontrollierte Abweichen des Daumens in Richtung des Zeigefingers, das medizinisch als ulnare Abkippbewegung bezeichnet wird. Gemeinsam mit dem ulnaren Seitenband steuert es die seitliche Stabilität des Gelenks und ermöglicht kraftvolles Greifen und Umschließen von Gegenständen.
Eine Störung dieser Struktur verändert den Kraftfluss in der Greifbewegung. Typische Situationen wie das Öffnen einer Flasche, das Greifen kleiner Gegenstände oder das Abstützen der Hand können dadurch schmerzhaft oder kaum möglich werden. Die radiale Instabilität ist seltener als die ulnare (Skidaumen), was dazu führt, dass radiale Variante häufig erst nach gezielter klinischer Prüfung erkannt
Mechanismus der Verletzung: Differenzierung zum Skidaumen
Während beim klassischen Skidaumen das ulnare Band durch eine Krafteinwirkung nach außen verletzt wird, entsteht eine Verletzung des radialen Seitenbandes durch eine Kraft, die den Daumen nach innen drückt. Typische Unfallmechanismen sind:
- Stürze auf die ausgestreckte Hand
- Abknicktrauma des Daumens beim Sport
- Stoß- oder Schlagbewegungen auf den radialen Daumenbereich wie z.B. beim Block der Volleyballer durch den Ball oder beim Abwehren des Fußballs durch den Torhüter
Diese Situationen können zu einer Überdehnung oder Riss des radialen Bandes führen. Bei ausreichender Energie kann es zudem zu knöchernen Bandausrissen kommen.
Symptome: Was Betroffene wahrnehmen
Patientinnen und Patienten berichten oft über eine Kombination aus Schmerzen, funktionellen Einschränkungen und Instabilitätsgefühlen. Typisch sind:
- lokalisierter Schmerz am radialen Daumenballen, verstärkt bei Druck oder Belastung
- Schwellung oder Bluterguss im Bereich des Daumengrundgelenks radialseitig mit Einblutung in den Daumenballen
- Gefühl der „Nachgiebigkeit“ des Gelenks bei seitlicher Belastung
- Schwierigkeiten z.B. beim Klavierspielen durch Instabilität der radialen Seite des Daumengrundgelenkes
Zusammengefasst beeinträchtigt die Verletzung nicht nur Kraft und Stabilität, sondern auch die feinmotorische Präzision des Daumens. Ohne adäquate Behandlung kann daraus eine chronische Funktionsstörung und die frühzeitige Arthrose (Knorpelverschleiß durch Instabilität) des Gelenkes entstehen.
Diagnostik: Klinische Untersuchung und Bildgebung
Die exakte Diagnostik radialer Seitenbandverletzungen erfordert handchirurgische Expertise und eine strukturierte Untersuchung. Im Hand- und Fußzentrum Berlin wird eine spezialisierte Abklärung durchgeführt, die sowohl die biomechanischen Besonderheiten des Daumens als auch die funktionellen Anforderungen des Patienten berücksichtigt. Im Vordergrund stehen:
- Inspektion auf Schwellung oder Hämatom
- Palpation des radialen Bandansatzes zur Schmerzprovokation
- Stabilitätstests unter sogenanntem ulnarem Stress
- Klinische Untersuchung der Gegenseite zur Beurteilung unphysiologischer Aufklappbarkeit
Ergänzend klinischen Untersuchung durch den Handchirurgen können Bildgebungsverfahren sinnvoll sein. Das konventionelle Röntgenbild dient dem Ausschluss knöcherner Bandausrisse und steht an erster Stelle der apparativen Diagnostik. In Zweifelsfällen liefert die MRT Zusatzinformationen über Bandkontinuität und Begleitverletzungen. Eine frühe und strukturiert durchgeführte Diagnostik innerhalb der ersten Woche nach Trauma erhöht die Chance, die natürliche Gelenkfunktion zu erhalten. Spätere plastisch rekonstruktive Verfahren haben deutlich schlechtere Ergebnisse als eine frühzeitige operative Versorgung, wenn erforderlich.
Therapie: Konservativ oder operativ – abhängig vom Schweregrad
Die therapeutische Strategie richtet sich nach Ausmaß der Instabilität oder Verletzung. Im klinischen Alltag haben sich folgende Ansätze etabliert:
- Ruhigstellung mittels Schiene oder Bandage zur Entlastung bei Verstauchungen mit Bandzerrung oder Teileinriss des Bandes für 6 Wochen und anschließend Ergo oder physiotherapeutischen Maßnahmen
- operative Rekonstruktion bei Rupturen oder knöchernen Bandausrissen mit anschließender Ruhigstellung für 6 Wochen
Ziel ist stets die Wiederherstellung der radialen Stabilität des Daumengrundgelenkes. Ist das radiale Seitenband vollständig rupturiert, kann eine operative Versorgung notwendig werden, um langfristige Instabilität und Folgeschäden wie
Arthrose des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose) zu vermeiden. Nach erfolgreicher Behandlung wird schrittweise die Belastbarkeit gesteigert, um die Greifkraft wiederherzustellen.
Prognose und mögliche Komplikationen
Unbehandelte oder unzureichend versorgte radiale Bandverletzungen können langfristige Defizite verursachen. Dazu gehören:
- chronische Instabilität des Daumengrundgelenks
- verminderte Griffkraft
- degenerative Gelenkveränderungen
- Schmerzen unter Belastung und ersichtliche Fehlstellung des Daumens mit Achsabweichung nach ulnar
Komplikationen lassen sich durch frühzeitige Diagnostik und strukturierte Nachbehandlung in vielen Fällen verhindern. Eine vollständige Wiederherstellung der Funktion ist insbesondere bei zeitnaher Versorgung möglich.
HFZ-BERLIN: Expertise für Verletzungen des radialen Seitenbandes
Im Hand- und Fußzentrum Berlin werden Verletzungen der Hand und des Daumens mit hoher Spezialisierung diagnostiziert und behandelt. Federführend im Bereich der Hand- und Fußchirurgie ist Dr. Hubert Klauser, der seit vielen Jahren als erfahrener Operateur und Facharzt mit Spezialisierung auf funktionelle Chirurgie der oberen und unteren Extremität überregionale Aufmerksamkeit erlangt hat. Die Kombination aus klinischer Erfahrung, handchirurgischer Expertise und moderner Technik ermöglicht eine präzise Diagnostik sowie individuell abgestimmte Therapieentscheidungen. Patientinnen und Patienten profitieren von einem strukturierten Behandlungspfad, der konservative wie operative Optionen umfasst und die Wiederherstellung der Greiffunktion in den Mittelpunkt stellt.
Rehabilitation und Wiederaufbau der Funktion
Nach konservativer oder operativer Versorgung spielt die Rehabilitation eine entscheidende Rolle. Ziel ist die Wiederherstellung
- der Gelenkbeweglichkeit
- der muskulären Stabilität
- der feinmotorischen Kontrolle
- der funktionellen Griffkraft
Ergotherapeutische Übungen, gezielte Mobilisierung und funktionelles Training unterstützen diesen Prozess. Je besser dieser Teil der Behandlung strukturiert wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit langfristiger Kraftdefizite oder Überlastungsbeschwerden.


